08.03.12
Symposium in der Saale Reha-Klinik I
- Neuer Chefarzt Psychosomatik Dr. med. Gerd Kötschau stellt sich vor
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| Dr. med. Gerd Kötschau, Chefarzt Psychosomatik ab 1. Januar 2012 |
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Galerie
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Am Freitag, dem 24.02.2012 fand in der Saale Reha-Klinik I in Bad Kösen ein Symposium statt, im Mittelpunkt stand das Thema "Psychosomatische Aspekte der Musikermedizin"
Mit diesem Symposium stellte sich Dr. med. Gerd Kötschau als neuer Chefarzt der Psychosomatischen Abteilung der Saale Rehe-Klinik I in Bad Kösen vor. Ca. 80 Personen aus unterschiedlichsten Berufsgruppen folgten der Einladung nach Bad Kösen.
Hier folgt ein ausführlicher Rückblick auf die Themen i. E.
Nach den Grußworten von Herrn Stelmaszek, Geschäftsführer der Kliniken der Lielje Gruppe, und der Anmoderation von Dr. Kötschau, referierte Frau PD Dr. Rummel-Kluge dass es 4 Mill. an Depression erkrankte Menschen in Deutschland gibt. Alle Altersklassen, auch Kinder schon bis ins hohe Alter können betroffen sein, jede vierte Frau und jeder dritte Mann. Die Stiftung Deutsche Depressionshilfe ist im April 2008 gegründet worden als Nachfolgeorganisation des Kompetenznetz Depression und Suizidalität. Schirmherr ist Harald Schmidt, Prof. Dr. Hegerl hat ihn angesprochen. Ziel ist in den nächsten zehn Jahren die Suizide zu halbieren und mehr Akzeptanz in der Bevölkerung durch Forschung und Information zu schaffen, sowie verschiedene Projekte fortsetzen zu können, z. B. das Online-Forum und das Thema Depression am Arbeitsplatz. Die Stiftung ist das Dach verschiedener Netze und Projekte, auch des Bündnisses gegen Depression, die regionale Bündnisse fördert. Das Online-Forum mit Spezialisten zu allen psychischen Störungen wird nicht beworben, weil es der Stiftung Geld kostet und eher ein Verlustgeschäft ist, Anfragen werden in 48 Stunden kostenlos beantwortet. Es gibt verschiedene Kooperationen mit Krankenkassenverbänden und telefonische Sprechstunden, damit Versicherte schneller einen Therapieplatz bekommen. Mit der Stadt Leipzig erfolgen Schulungen, Betroffene und Angehörige werden unterstützt. In diesem Rahmen fand der 1. Patientenkongress am 02.10.11 im Gewandhaus Leipzig statt mit über 1.000 Teilnehmern aus ganz Deutschland, der mit einem kurzen Video vorgestellt wurde. Es wurden eine Fotoausstellung mit Wettbewerb und ein Förderpreis ausgeschrieben. Richtlinien und Regeln im Umgang mit dem Thema Suizid für die Medien wurden erstellt. Manche Zeitungen haben sich entschlossen gar nicht mehr zu berichten, beim Tod von Enke wurde vieles in den Medien falsch gemacht. Der Werther-Effekt beschrieb tatsächlich wieder einen dramatischen Anstieg in den vier Wochen nach der Tat. Ein ganzes Fußballstadium hat öffentlich getrauert und den Suizid glorifiziert. 90 % aller Suizide stehen in Zusammenhang mit psychiatrischen Erkrankungen. 15 % mit einer schweren Depression suizidieren sich im Verlauf der Erkrankung. Im europäischen Bündnis wurde noch eine zusätzliche Ebene berücksichtigt, nämlich die Beschränkung der Tötungsmöglichkeiten. Anästhesisten haben eine hohe Suizidrate wegen der Verfügbarkeit von Mittel und dem Wissen. Auf der Homepage sind neun Kategorien zum Thema dargestellt mit einer durchschnittlichen relativ hohen Nutzerzeit von elf Minuten.
Mehr als 2.000 Anmeldungen im Jahr kann das Forum verzeichnen. Das Bündnis gegen Depression bietet Schulungsmaterialien für verschiedene Interessengruppen und Multiplikatoren und Hilfe für Selbsthilfegruppen, Betroffene und Angehörige.
Die Zielbotschaften sind, Depressionen sind behandelbar, können jeden treffen, haben viele Gesichter. Die Haupt- und Zusatzsymptome sowie die Erkrankungsformen nach ICD wurden dargestellt. Ein großer Teil von Patienten suchen die Hausarztpraxis auf nur wegen ausschließlicher körperlicher Beschwerden. Burnout ist kontextbezogen, Depression kontextfrei. Hinter dem Burnout versteckt sich oft die Depression, so schilderte auch Sven Hannawald seinen Verlauf.
Frau Prof. Dr. Schuppert stellte anschließend den Unterschied zwischen der Belastung eines Berufsmusikers und einem anderen Berufstätigen dar. Ein Fußballspiel dauert 90 Min mit 15 Min Pause. Die 3. Sinfonie von Mahler dauert 95 Min ohne Pause, ohne Ersatzspieler und ohne Betreuerteam. Musiker ähneln den Spitzensportlern durch das ständige Üben, Üben, Üben. Musiker fangen im Grundschulalter an zu üben ohne Begrenzung nach oben, immer perfekter, bei Konzerten immer in CD-Qualität, stets Spitzenleistung, sie sind Athleten der Feinmotorik und psychomentalen-emotionalen Belastung, mit enormer Koordination der Muskulatur. Bläser und Pianisten zeigen über 90 Minuten eine Herzfrequenz von 130-136/min. Beim Pfeifen hat man einen Luftdruck im Mund von 5 mm Hg, bei der Oboe und Piccoloflöte wesentlich höher, aber maßgeblich ist der Dauerdruck, lange Performance mit Spitzenleistung. Rubinstein spielte mit 90 Jahren noch sehr schnell und perfekt. Dann ist die statische Haltearbeit unter ungünstigen ergonomischen Bedingungen bedeutsam, große Instrumente, die in physiologischen Grenzbereichen gehalten werden müssen ohne Lockerheit in der Peripherie und das nicht nur für Stunden sondern für Jahrzehnte. Es wurden im Video am Beispiel des Pianospielens Präzision, Sensomotorik und emotionale Ankopplung gezeigt im Sinne höchster Artistik. Auch der Bereich der Über- und Fehlbelastung von Studierenden ist ein ständiges Thema. Bagatellverletzungen führen zu einem Spielen unter erschwerten Bedingungen. Müde Muskeln kontrahieren sich nicht so stark und verzögert, das führt zur psychomentalen Verspannung und zur vorzeitigen Erschöpfung. Sehr häufig sind somatoforme Störungen, das Overuse, Tendomyopathien, der Leistungsdruck ist am höchsten im Alter von 20-40 Jahren. Es muss vermittelt werden, wie die Gelenke belastet werden können. Eine absolute Schonung ist nicht notwendig, sogar kontraindiziert, aber Zeit geben, eine relative Pause, nur kurzfristige Ruhigstellung, bis zur Schmerzgrenze spielen ist wichtig. Am Instrument wird die Ergonomie untersucht, das private und berufliche Umfeld. Musiker haben gewöhnlich ein schlechtes Körpergefühl, so das Techniken wie Feldenkrais oder Alexander notwendig sind, zur Stiegerung der Körperwahrnehmung, Aufwärmübungen, kleine Pausen und Ausdauertraining. Musiker im Vergleich zu Nicht-Musikern geben an, sich wohl zu fühlen, wenn man allerdings gezielter nach Schmerzen fragt, wird das zugegeben im Sinne „no pain – no gain“. Kinder sollten schon mit Kinder-Instrumenten üben. Es wird unterschieden zwischen Lampenfieber zur Leistungsoptimierung und „Auftrittsangst“, die leistungsmindernd und gesundheitsschädlich ist. Multimodale Therapie und Edukation sind effektiv, Auftrittstraining mit Videofeedback und kognitiver Therapie, Ausdauertraining, psychoanalytische Ansätze und Medikamente versus Selbstmedikation. Gegen die hohen Dauerschallpegel sind die europäischen Normen in den Konzertgräben durchzusetzen. Spezielle Hörschutzmaßnahmen werden dargestellt, auf Fortbildungen, Initiativen und Lehrangebote, Musikersprechstunden, regionale Netzwerke, Präventionsmaßnahmen und spezielle Lehrbücher wird verwiesen.
Prof. Dr. Jabusch widmet sich im dritten Fachvortag der speziellen Musiker-Dystonie, die in etwa 1 % auftritt, in vielen Teilen unverstanden und schwer zu behandeln ist. Er zitiert einen Brief einer Patientin, die unter einem komplizierten Fingerproblem leidet, die dritter und vierter Finger rollen sich ein, der Zeigefinger bleibt abgespreizt, nur beim Klavierspiel, nicht im Alltag und ohne Schmerzen, ein Verlust der Feinmotorik bei jahrzehntelang eingeübter Präzision. Robert Schumann bemerkte im Alter von 20 Jahren, dass der Mittelfinger der rechten Hand nicht mehr kontrollierbar war, für ihn war das eine Katastrophe, er musste umlernen und Komponist werden, für uns wunderschön, weil wir seine Musik haben. In dieser Zeit hat er schon die Toccata Opus 7 komponiert, ein hoch virtuoses Werk, das mit der rechten Hand gespielt wird, wobei der Mittelfinger ausgelassen wird. Prof. Jabusch demonstriert Beispiele als Videos, wo das hochvirtuose Spiel nicht mehr möglich und nicht ausreichend kompensiert werden kann. Die Ursache wird im somatosensorischen Cortex vermutet, die Repräsentationsareale der einzelnen Finger sind auf einen Punkt verschmolzen, die Plastizität ist verändert, eine Enthemmung auf verschiedenen Ebenen, dabei ist unbekannt, was Ursache oder Folge ist. In der Epidemiologie sind häufiger Musiker der klassischen Musik betroffen, viermal mehr Männer als Frauen, in 36 % tritt die Erkrankung familiär gehäuft auf, in 80 % vor dem 40. Lebensjahr, bei verändertem sensorischen Input mit Schmerzen, 51 % waren erfolgreiche Solisten mit einem Höchtmass an sensomotorischer Komplexität an Tasten- und Zupfinstrumenten und bei Bläsern. Untersucht ist der hohe Anteil von Perfektionismus und Angstbereitschaft, und zwar prämorbid, nicht als Reaktion. Das heißt zu Grunde liegt eine Krankheitsbereitschaft bei intrinsischen (Schmerzen, Angst und Perfektionismus) und extrinsischen (zeitliche und räumliche Präzision bei sozialen Zwängen) Faktoren. Präventionsmaßnahmen sind schwierig, am ehesten pädagogisch durch Förderung der Freude und Minderung von Ängsten und Zwängen. Als therapeutische Methoden stehen das Retraining, ergonomische Schienen, anticholinerge Medikamente (Artane) und Botulinumtoxin zur Verfügung. Als Maß der Verbesserung dient bei Pianisten das Spielen der C-Dur-Tonleiter und das Erfassen der Anschlagsabstände. Vor der Therapie beträgt die durchschnittliche Abweichung 35 ms, nach der Therapie ca. 20 ms. Bei der Ansatzdystonie von Bläsern kann bislang von 20 Betroffenen nur eine Besserung bei 3 Bläsern erreicht werden (Mit Medikamenten und Retraining), beim Rest und bei etwa 60 % der betroffenen Studenten muss umgeschult werden, denn außerhalb der Dystonie liegt vollkommene Gesundheit vor. In einer Studie mit 144 Patienten bei einem Verlauf von 3 ½ Jahren (8 ½ Jahre nach Beginn der Störung) beschrieben sich nur zwei Personen symptomfrei, 52 % verbessert, unverändert 35 %, verschlechtert 11 %, 25 % hat aufgegeben zu spielen, 75 % spielen weiter, teilweise mit großen Kompromissen,
71 % blieben im Beruf, 29 % wechselten den Beruf.
Bilder des Symposiums und einen Pressebericht stellen wir hier für Sie bereit.
Programmflyer Symposium 24.02.2012 (297,58 Kb)
Quellle: NTB/MZ v. 28.02.2012 (1,15 Mb)
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